Was wäre Juri ohne August? Ein Fahrrad ohne Reifen.

 

Kinderroman | ab 10 Jahre

Im Auge des Goldfischs

ca. 160 Seiten

Juri (11) wohnt in einem reichen Vorort, geht in die 6. Klasse, ist der Schüler mit den besten Noten und der, auf den man sich verlassen kann. Dadurch fühlt er sich gebraucht und akzeptiert. Dass er von den Mitschülern ziemlich ausgenutzt wird, will er nicht wahrhaben. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt, als der schlagfertige August (13) neu in die Klasse kommt. Gegen den Willen der beiden spannt die Lehrerin die sehr unterschiedlichen Jungs für ein Heimatkundeprojekt zusammen – und während das Projekt in eine abenteuerliche Schatzsuche mündet, werden Juri und August unzertrennliche Freunde.

 

Leseprobe

 „Das ist euer neuer Mitschüler“, verkündete Frau Haugesund. „August Türk!“

Für einen Moment schien die Zeit für Juri still zu stehen. Das musste doch wohl ein schlechter Scherz sein! Hinten aus der Klasse erklang ein unterdrücktes Prusten. Juri sah sich um und bemerkte, dass die meisten seiner Klassenkameraden versuchten, nicht loszulachen. Merten stupste ihn an.

„Ey, der heißt ja genau wie du, Juni Juli Juri“, flüsterte er mit einem hämischen Grinsen im Gesicht.

„Setz dich doch bitte neben Juri, da ist noch ein Platz frei“, sagte Frau Haugesund.

Juri wäre am liebsten im Boden versunken.

„August und August gesellt sich gern“, murmelte Linus grinsend.

Schlimmer konnte es nicht kommen. August schlurfte zu Juri und ließ sich auf den freien Stuhl fallen. Lässig rutschte er so weit nach vorne auf der Sitzfläche, dass er fast lag und kaum noch über den Tisch gucken konnte.

„Sehr gut. Dann schlagt doch bitte die Bücher auf Seite 240 auf“, begann Frau Haugesund mit dem Unterricht. „Juri, lass doch bitte August mit in dein Buch gucken, er hat seins noch nicht.“ Sie drehte sich zur Tafel. „Ach, warum ist die Kreide denn schon wieder alle? Lest euch schon mal die Aufgaben 1a bis 1d durch, während ich mir Kreide organisiere.” Sie verschwand aus dem Klassenzimmer.

Juri blätterte schnell auf die entsprechende Seite und schob das Buch in die Mitte des Tisches.

„Hallo“, murmelte er, weil er es komisch fand, so gar nichts zu seinem neuen Sitznachbarn zu sagen. „Ich bin Juri.“

August zog die Nase hoch. „Weiß ich. Bin ja nicht taub.“

Ach so war das … Hatte er dem Neuen irgendwas getan? Juri sah hinunter auf das Buch. Möglichst unauffällig schielte er zu August. Ob die Klamotten wirklich von seinem Bruder waren? Alt sahen sie zumindest aus. Und ungebügelt. Ob alle Leute, die nicht viel Geld hatten, nicht bügelten?

August spielte mit einer Drachenkette, die um seinen Hals hing. Dann sah er Juri plötzlich an. „Was glotzt du so?“

Schnell wandte Juri den Blick ab. „Nichts.“

Er spürte, wie August ihn mit seinen schwarzen Augen musterte wie ein Raubtier, das auf eine falsche Bewegung seiner Beute wartete.

„Ich finde deine Haare cool“, sagte Juri, in der Hoffnung, August zu besänftigen. Obwohl er sich wirklich Schöneres vorstellen konnte als gelbe Haarspitzen.

August grinste hämisch. „Ja, fände ich bei deinem Pottschnitt auch.“

In dem Moment landete das Matheheft vor Juris Nase.

„Mach nächstes Mal nicht so einen Stress!”, grummelte Linus.

Auch Oli drehte sich um und legte das Bioheft auf Juris Tisch. „Sorry, dass es so lange gedauert hat. Danke.“

Sie lächelte ihn an. Juri lächelte zurück. Oli bedankte sich jeden Tag für die Hausaufgaben, was sonst keiner tat.

Schnell steckte er das Bioheft in den Ranzen. Er bemerkte, dass August ihn anstarrte.

„Gibst du den anderen deine Hausaufgaben?”

„Ja, fast immer.“

August sah ihn an, als hätte Juri gerade Koreanisch gesprochen. „Warum?”

Juri zuckte mit den Schultern. „Das ist halt mein Job”, sagte er. „Ich sorge dafür, dass die anderen die Hausaufgaben haben.” Einen kurzen Moment hielt er inne, bevor er hinzufügte: „Du bekommst sie natürlich auch.”

Augusts Lachen klang so laut im stillen Klassenzimmer, dass alle zu ihm guckten.

 

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