Mo’s erster Auftrag geht gründlich schief ...

 

Romantic Fantasy | ab 14 Jahre

Pfeilschwer – Die Wahrheit über Liebe

ca. 350 Seiten

Nach zehn Ehrenrunden hat Amors Sohn Mo endlich seinen Abschluss als zertifizierter Liebesbote in der Tasche. Sein erster Auftrag geht jedoch gründlich schief: Der Pfeil landet in Mos eigener Brust. Dadurch verliebt er sich Hals über Kopf in den sechzehnjährigen Außenseiter Mattis. Mo freundet sich mit dem ahnungslosen Mattis an - wohl wissend, dass er bei den gefürchteten Trollen landet, wenn Amor von seiner verlorenen Unsterblichkeit erfährt.

 

Leseprobe

Mein ganzes restliches Leben hängt von dieser einen Zahl ab. Noch ist die elektronische Anzeigetafel vor uns leer, aber es dürfte sich nur um Minuten handeln, bis die Ergebnisse angezeigt werden.

  »Kipp nicht schon wieder um, Mo«, raunt Erosa mir zu. Ich schüttele den Kopf, halte mich jedoch an ihrem Arm fest, als würde mich sonst eine Welle davonspülen.

  »Was ist, wenn ich wieder durchgefallen bin?«, frage ich mit einer Stimme, die an der Grenze zur Panik balanciert.

  »Bist du nicht.«

  »Das sagst du jedes Mal.«

  »Diesmal ist es anders.«

  Ich beiße mir auf die Lippe. Sie hat recht. Wenn ich dieses Jahr durchgefallen bin, bekomme ich keine weitere Chance. Wer die Ausbildung an der Erosamor-Universität nach dem fünfzigsten Studienjahr nicht geschafft hat, gilt als zu inkompetent für den Job und wird ausgemustert. Was bleibt mir dann noch? Eine Umschulung zum Pfeilbauer? Ich habe gehört, dass die Trolle in der Pfeil- und Bogenwerkstatt nicht gerade zimperlich mit Amors Söhnen und Töchtern umgehen. In unserem zehnten Ausbildungsjahr haben wir einmal eine Exkursion dorthin gemacht. Ich hatte noch wochenlang danach das Gefühl, ihre feindseligen Blicke im Nacken zu spüren.

  Der helle Glaskuppel-Festsaal ist wie jedes Jahr vollgepackt mit unseren Halbbrüdern und Halbschwestern, die gebannt auf die Anzeigetafel an der Wand starren. Manche laufen auf und ab, andere knabbern an ihren Fingernägeln. Obwohl das üppige Büfett längst eröffnet ist, hat sich kaum jemand etwas genommen.

  Erosa gehört zu den Ausnahmen. Sie steht mit vollem Teller neben mir und verspeist eine Gemüsepastete nach der anderen. Ich weiß nicht, woher diese Gelassenheit kommt.

  Kennengelernt haben wir uns nach einer Pfeilgeometrie-Prüfung. Sie war mir aufgefallen, weil sie als Erste abgegeben hatte und den Rest der Zeit dazu nutzte, sich die Fingernägel zu lackieren. Im Gegensatz zu mir hatte sie natürlich trotzdem die volle Punktzahl.

  Erosa verdreht die Augen und drückt mich an ihre Brust. Meine Nase streift ihren kahlen Kopf. Vor etwa vier Jahren ist sie zu dem Entschluss gekommen, dass ihre langen roten Haare sie bei der Arbeit stören und hat sich den Kopf spontan kahlrasiert. Seitdem säbelt sie jedes Haar ab wie lästiges Unkraut.

  »Ich glaube an dich, du Jammerlappen.«

  »Da bist du vermutlich die Einzige.« Ich seufze bei dem Gedanken an die mitleidigen Blicke, die unsere Lehrer mir in letzter Zeit zugeworfen haben. Manchmal rümpfen sie sogar die Nase, als klebte der Trollgeruch bereits an mir.

  »Und wenn schon. Ich irre mich nie.« Sie schiebt mich ein Stück weg und klopft mir mit Wucht auf die Schulter. Ihre sturmgrauen Augen fixieren mich. »Hör endlich auf, dich um das zu kümmern, was andere sagen.« Ihr Blick huscht beim Wort »andere« kurz zu unserem Vater hinüber, der mit Voluptas, der Leiterin der Erosamor-Universität, neben dem Büfett steht. Wenngleich er fast alle im Raum Anwesenden gezeugt hat, ist es ein offenes Geheimnis, dass in seinen Augen niemand Voluptas das Wasser reichen kann. Sie ist das einzige Kind seiner Frau Psyche, die zu den Hauptgründen gehört, warum sich Vater mit seinen Verwandten auf dem Olymp verkracht hat. Ich frage mich allerdings, wieso er sich ausgerechnet in den Schweizer Alpen niederlassen und hier seine Universität gründen musste. Er hätte uns genauso gut auf den Malediven ausbilden können. Kokosnüsse gegen Ziegenmilch einzutauschen ist kein faires Geschäft.

 

Literatur und Illustration für junge Menschen ist unser Metier. Wir vermitteln Manuskripte und Konzepte an deutschsprachige Buchverlage und Medien. Bei uns finden Sie den Autor oder die Autorin genauso wie den Illustrator oder die Illustratorin für Ihr Projekt; ebenso Filmrechte einiger unserer Titel im Portfolio.

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